An das Lagos Gipfeltreffen (Rede vom 26.01.1962)
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… Wir Afrikaner wünschen in Frieden und Freundschaft mit allen Menschen zu leben, ohne Ansehen von Rasse, Glauben oder anderer Überzeugungen und sind bereit mit allen zu kooperieren, die ernsthaft und ehrlich unser Wohl und Vorwärtskommen wollen. Dennoch können wir uns nicht unnötig den Gefahren aussetzen, die der weltweite Machtkampf in seinem Gefolge trägt.
Wir freuen Uns sehr, heute hier zu sein und zu dieser Konferenz zu sprechen, deren Durchführung ein höchst befriedigendes und bedeutendes Ereignis für Afrika ist. Von den achtundzwanzig afrikanischen Staaten, die 1962 als stolze unabhängige, souveräne Nationen dastehen, ist die große Mehrheit hier durch ihre Staatsoberhäupter vertreten. Diese Versammlung wird ferner durch die Anwesenheit von Beobachtern aus einer Anzahl weiterer afrikanischer Territorien bereichert, von denen mehrere ihre Freiheit in naher Zukunft erhalten werden. Ihnen allen, Staaten sowie Territorien und allen Afrikanern, sprechen Wir Unserer Grüße aus.
Gleichzeitig müssen Wir Unser Bedauern darüber ausdrücken, dass Vertreter der Provisorischen Algerischen Regierung nicht in unserer Mitte sind und dass ihr Fehlen eine Reihe von anderen Nationen, deren Vertreter in diesen Hallen sitzen sollten, bewogen hat, Einladungen, die ihnen gegenüber ausgesprochen wurden, abzulehnen. Bei der Belgrader Konferenz der blockfreien Staaten, bedauerten Wir das Fehlen bestimmter afrikanischer Staaten, die nach dem Empfinden Äthiopiens unter den Anwesenden sein sollten. Heute wiederum können Wir uns des Gefühls nicht erwehren, dass unsere Aufgaben schwieriger gemacht werden, da mehrere afrikanische Nationen nicht in diesen Hallen repräsentiert sind. Aber wie stark Wir auch in dieser Angelegenheit empfinden, Wir fühlen noch stärker, dass kein Afrikaner den Umständen entfliehen kann, die uns in Lagos zusammengeführt haben oder die ernste Pflicht umgehen kann, mit seinen afrikanischen Brüdern in der Sache dieses großen Kontinents zusammenzuarbeiten und Wir verpflichten Uns selbst, in den vor uns liegenden Tagen uneingeschränkt an der Erfüllung dieser Pflicht zu arbeiten.
Wir wünschen den Schirmherren dieser Konferenz zu danken, der Regierung der Föderation von Nigeria, eine junge Nation, selbst erst vor kurzem aus dem Schatten der kolonialen Herrschaft aufgetaucht, die bereits aufgrund ihrer evidenten menschlichen und materiellen Ressourcen sowie der Reife und des Urteilsvermögens, die von denen, die seine Regierungsgeschäfte führen, demonstriert wurde, ihren Platz unter den Führern Afrikas eingenommen hat. Wir persönlich sind den freundlichen Menschen von Lagos zutiefst dankbar, die Unser Herz mit dem spontanen und warmen Willkommen, das sie Uns entgegengebracht haben, berührt haben.
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Eine Herausforderung
Wir treffen uns heute bei der Gipfelkonferenz von Afrika.
Niemals zuvor haben sich so viele Staatsoberhäupter von afrikanischen Staaten an einem Ort versammelt, um zusammen über gemeinsame Probleme nachzudenken. Lasst uns denen, die uns beobachten, zeigen, dass wir uns in Lagos, im Januar 1962, zur rechten Zeit und am rechten Ort und zum richtigen Thema treffen. Wir sollten alle dieses Ereignis begrüßen; wir sollten versuchen, uns seiner im Höchstmaß zu bedienen, zu unserem eigenen Nutzen und zum Nutzen der Menschheit. Es ist entscheidend für die Zukunft der Welt und für das Wachstum von Verständnis und Wohlwollen unter Menschen guten Willens, dass Kontakte auf allen Ebenen der politischen Struktur aufrecht erhalten werden, dass Führer der Welt sich von Angesicht zu Angesicht treffen, dass jene, die die schwere Last tragen, ihre Völker auf den Weg von Fortschritt und Aufklärung zu führen, keinen Weg unerforscht lassen bei der Erfüllung ihrer Gott gegebenen Aufgaben. Dies ist die Aufgabe, der wir als verantwortungsvolle afrikanische Staatsmänner heute entgegensehen.
Wir Afrikaner sind noch im Prozess, uns miteinander bekannt zu machen. Noch vor drei Jahren gab es keine Möglichkeit für mehr als eine Handvoll afrikanischer Führer zusammenzukommen, Ansichten auszutauschen, gemeinsame Probleme zu erforschen und Übereinkünfte und Lösungen für sie zu suchen. Die Schicksale der großen Mehrheit der Afrikaner wurden damals noch durch andere geformt und kontrolliert. Aber die Freiheit ist auf diesem Kontinent angekommen und mit ihr eine immer größer werdender Einfluss für die freien afrikanischen Nationen. Afrikanische Staaten spielen eine immer größere Rolle in internationalen Angelegenheiten. Unsere Präsenz in den Vereinten Nationen hat unsere Ansichten und Probleme direkt vor die Weltöffentlichkeit gebracht. Unsere Zukunft liegt in unseren eigenen Händen und wir treffen uns heute hier, um zu beraten, wie diese Zukunft aussehen soll.
Nicht geteilt
Bestimmte Entwicklungen haben in Afrika stattgefunden, seit die unaufhaltsame Flut der Unabhängigkeit über diesen Kontinent gespült ist, die bei oberflächlicher Betrachtung der Grund für Besorgnis um die Zukunft gewesen sind. Uns wird gesagt, dass Afrika in rivalisierende Gruppen geteilt worden ist und somit die Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Staaten verhindert und afrikanischer Fortschritt gravierend verlangsamt wird. Man hört von der Casablanca Gruppe und der Monrovia Gruppe, von den Conakry und Dakar Erklärungen und wir werden gewarnt, dass die Ansichten und Richtlinien dieser so genannten Gruppen so entgegengesetzt sind, dass es für sie unmöglicht macht, als Partner in einer Unternehmung zusammenzuarbeiten, der sich alle gemeinsam gewidmet haben.
Aber existieren solche unnachgiebigen und festen Gruppierungen wirklich? Und wenn bestimmte Nationen, die ähnliche Ansichten teilen, Maßnahmen ergriffen haben, um ihre Strategien abzustimmen, bedeutet dies, dass es zwischen ihnen und anderen keine Möglichkeit freier und gegenseitig nutzbringender Zusammenarbeit gibt? Ist Afrika wirklich zersplittert und wurde Unabhängigkeit auf diesem großen Kontinent erreicht, nur um zu sehen, dass afrikanische Nationen selbst Unterschiede in Spaltungen wandeln? Und sollen solche Spaltungen, die bereits existieren, uns auferlegt durch Geschichte und Umstände, durch unsere eigenen Anstrengungen ausgeweitet und vertieft werden?
Lasst Uns zunächst sagen, dass Äthiopien sich selbst nur als Mitglied einer einzigen Gruppe versteht – der afrikanischen Gruppe. Wir werden an allen Beratungen teilnehmen, wir werden jedweden Plan in Betracht ziehen, wir werden jeden Vorschlag beraten, überall und zu jeder Zeit, vorausgesetzt, dass es zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens, der Entwicklung der menschlichen und materiellen Ressourcen Afrikas und dem Schutz der legitimen Interessen dieses Kontinents beiträgt. Wenn wir Afrikaner fehlgeleitet worden sind, uns gegenseitig in Schubladen zu stecken, starre und unnachgiebige Ansichten Staaten zuzuschreiben, die bei einer Konferenz anwesend waren, aber nicht bei einer anderen, dann werden wir ohne Grund und Berechtigung unsere eigene Handlungsfreiheit begrenzt und die Aufgabe gemeinsamer Anstrengungen in Eintracht und Brüderlichkeit für die gemeinsame Sache Afrikas unermesslich schwieriger gemacht haben.
Lasst Uns ferner aussprechen, dass Wir das Fehlen von Nationen aus der so genannten Casablanca Gruppe nicht als Beweis eines fundamentalen und irreparablen Zerwürfnisses zwischen ihnen und den in dieser Halle versammelten achtundzwanzig Nationen ansehen. Wir haben bereits erklärt, dass Wir ihr Fehlen bedauern, aber Wir sind überzeugt, dass sie vielem, wenn nicht allem, was wir hier sagen werden, zustimmen werden und dass sie im Geiste teilnehmen werden und in Zukunft mit den Entscheidungen, die wir während dieser Konferenz treffen werden, zusammenarbeiten werden.
Dementsprechend begnügen Wir uns damit, dass keine breite und unüberbrückbare Kluft zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen, die geschaffen wurden, existiert. Es ist vielmehr Unsere Überzeugung, dass im Gegenteil eine genaue und vorsichtige Analyse der von den afrikanischen Nationen heute angenommenen Strategien bei einer breiten Fragenpalette nicht die Unterschiede zwischen ihnen betont, sondern die große Anzahl von Ansichten, die sie gemeinsam teilen. Wenn man sie nebeneinander legt, ähneln sich die Beschlüsse von Conakry und Dakar in viel mehr Aspekten als dass sie sich unterscheiden. Sie lassen eine grundlegende Übereinstimmung des Prinzips bei bestimmten basisökonomischen Maßnahmen erkennen, die in bestimmten Bereichen zu treffen sind. Die Wichtigkeit, Bahn- Straßen- und Luftverkehr zu verbessern, den Handel anzuregen, Zoll und Handelsgrenzen zu eliminieren, Entwicklungsplanung und wirtschaftliche Forschung zu betonen und zu koordinieren – dies sind gemeinsame Ziele, die von allen unterstützt werden. Wir selbst sind erfreut, dass eine grundlegende Übereinkunft über die Errichtung einer afrikanischen Entwicklungsbank erreicht wurde, ein Schritt, den Wir in Unserer Ansprache an die Konferenz der Unabhängigen afrikanischen Staaten in Addis Abeba im Juni 1960 vorantrieben.
Ein Komitee
Wir haben also bereits eine beachtliche Übereinstimmung des Denkens und Planens im sehr wichtigen ökonomischen Bereich erzielt. Dies selbst ist eine große Leistung. Es wäre tatsächlich verwunderlich, wenn achtundzwanzig Nationen in ihren Strategien und Programmen keine Abweichungen der Ansichten erkennen lassen würden. Wir können Zufriedenheit und Ermutigung aus der Tatsache ziehen, dass bereits ein so großes Maß an Gleichheit in Herangehensweise und Einstellung existiert.
Wir drängen darauf, dass diese Konferenz dies als ihren Ausgangspunkt verwendet, dass wir betonen und Gewicht legen auf die Bereiche der Ähnlichkeit und Übereinstimmung, statt darauf, welche Unstimmigkeiten und Unterschiede zwischen uns existieren mögen. Es ist eine solide Taktik der Militärstrategie anzugreifen, wo die Verteidigung des Gegners am schwächsten ist. Es ist sicherlich eine gute Strategie für uns alle voranzuschreiten, wo die Bewegung unversperrt und ungehindert ist.
Es war Unsere Intention vorzuschlagen, dass die Entscheidungen, die sowohl in Conakry als auch Dakar getroffen wurden, insofern sie die technischen Aspekte der wirtschaftlichen Planung und Koordination umfassen, an ein Komitee von Spezialisten, die die gesamte afrikanische Meinung repräsentieren, verwiesen werden, um sie zu begutachten und bei der bevorstehenden Konferenz der Unabhängigen Afrikanischen Staaten in drei Monaten in Tunesien Bericht zu erstatten. Wie uns allen nur zu bewusst ist, sind die in den Conakry Entscheidungen am stärksten betroffenen Nationen nicht hier. Dennoch bitten Wir darum, dass dieser gleiche Schritt unternommen wird und dass die Staaten, die heute nicht hier anwesend sind, gebeten und gedrängt werden, im Namen Afrikas und der afrikanischen Einheit, Mitglieder zu entsenden, die an der Arbeit dieses Komitees teilnehmen.
Wir würden vorschlagen, dass dieses gleiche Komitee gleichzeitig die Implikationen und Auswirkungen, die der gemeinsame europäische Markt auf die Ökonomien der afrikanischen Staaten und auf unsere Anstrengungen eines koordinierten Programms für die afrikanische wirtschaftliche Entwicklung haben wird, untersucht und Maßnahmen empfiehlt, die konzipiert sind, die nachteiligen Auswirkungen dieser Einwirkung zu minimieren. Der gemeinsame europäische Markt stellt gleichzeitig eine große Herausforderung und eine ernste Gefahr für Afrika dar. Wir haben die beachtenswerten Errungenschaften, die die Aufhebung der Zollgrenzen und die Koordination der wirtschaftlichen Entwicklung in Westeuropa herbeigebracht haben, gesehen und wir sind ermutigt, darauf zu drängen, ähnliche Schritte auf unserem eigenen Kontinent zu unternehmen. Gleichzeitig können wir nicht die Gefahren ignorieren, die in einer weiteren Stärkung einer bereits gigantischen wirtschaftlichen Einheit innewohnt, die sich im Norden zusammenbraut und einen immer längeren Schatten in unsere Richtung wirft.
Unsere Probleme
Wenn wir uns vom wirtschaftlichen zum politischen Bereich wenden, finden wir wiederum große Gebiete der Übereinstimmung, obwohl es grundlegende Differenzen in der Herangehensweise gibt, die eine vorsichtige Betrachtung benötigen. Wir müssen von vornherein anerkennen, dass bestimmte politische Probleme durch die Schnelligkeit, mit der afrikanische Staaten ihre Unabhängigkeit erreicht haben, geschaffen worden sind. Wir deuten nicht für einen Augenblick an, dass die Unabhängigkeit zu schnell kam oder zu leicht gewonnen wurde; niemand hier würde die Zeit zurückdrehen zu dem Tag als er etwas anderes als ein freier Mensch war. Aber es gibt einige harte Fakten, die nicht ignoriert werden können.
Heute gibt es auf dem afrikanischen Kontinent achtundzwanzig unabhängige Nationen mit der Möglichkeit, dass noch viel mehr in der nicht zu entfernten Zukunft hinzukommen. Die Bevölkerung dieser Nationen reicht von über 35 Millionen für die Föderation von Nigeria bis zu weniger als 1 Million im Fall von einigen der kleineren Staaten. Das wirtschaftliche Potential einiger afrikanischer Nationen verspricht zukünftiges Wachstum und Entwicklung zu Reichtum und Fülle; andere Staaten finden sich selbst in finanziellen Schwierigkeiten und Haushaltssubventionen aus der einen oder anderen Quelle werden für viele Jahre benötigt werden, um ihre wirtschaftliche Existenz aufrecht zu erhalten. Wir dürfen niemals vergessen, dass die Grenzen vieler afrikanischer Nationen zur Zeit des Wettlaufs um Afrika willkürlich durch die Kolonialmächte geschaffen wurden; dennoch sind alle afrikanischen Nationen verpflichtet, sie zu respektieren und die territoriale Unversehrtheit der existierenden afrikanischen Nationen zu unterstützen. Während der Zeit der kolonialen Herrschaft war der Kontakt unter Afrikaner unterdrückt, solche Barrieren des Verkehrs und der Kommunikation, die bereits existierten, wurden weitergeführt und neue Hürden wurden errichtet, wo vorher keine gefunden worden waren.
Wir müssen also der Tatsache entgegensehen, dass die Geschichte Afrika eine Menge von Problemen hinterlassen hat. Auch wenn wir sie nicht selbst verursacht haben, können wir sie nicht dadurch hinwegwünschen, dass wir so tun als existierten sie nicht. Die Gefahren, die sie darstellen, sollten für alle ersichtlich sein und es benötigt kein großes Ausmaß an Scharfsinn oder Weisheit zu erkennen, dass, solange wir nicht handeln, die Fehler, deren Erbe wir wohl oder übel geworden sind, zu unserem Schaden ausgebeutet werden. Wir haben im Kongo die tragischen Konsequenzen gesehen, die folgen, wenn innerhalb der Grenzen eines einzelnen Staates Männer, die des Konzeptes der „Nation“ beraubt sind, deren Horizonte auf die engen Grenzen ihrer Familienbeziehungen begrenzt sind, gegeneinander aufgehetzt werden. Ausbeutung ist tatsächlich möglich und die Einflüsse sind reichlich vorhanden, die nicht zögern werden, uns zu teilen, einen gegen den anderen auszuspielen und Zwietracht und Mistrauen aufzurühren, wo nur Brüderlichkeit und Vertrauen gefunden werden sollten.
Um der Ausbeutung zu entgehen und um die politischen Schwächen zu überwinden, die uns bedrängen, dringt Äthiopien darauf, dass, während wir mit aller Dringlichkeit und Eile in diesen wirtschaftlichen Bereichen, in denen schnelle Fortschritte erreicht werden können, voranschreiten, gleichzeitig parallele Schritte unternommen werden sollten, die Möglichkeiten zu erforschen, zukünftig wachsende politische Einheit unter afrikanischen Staaten zu erzielen – tatsächlich glauben Wir, dass wir alle den Drang verspüren und dass wir nur in unserer Einschätzung der Geschwindigkeit, mit der dieses höchst wünschenswerte Ziel erreicht werden kann, anderer Meinung sind. Die Aufgabe ist nun, die Maßnahmen zu erstellen, durch die diese grundlegende Übereinkunft am schnellsten vorangetrieben werden kann.
Ein Vorschlag
Ein Schritt ist bereits vorgeschlagen worden, von dem Wir glauben, dass er in hohem Maße zu diesem Ziel beitragen kann. Bei der 16. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die im letzten September in New York zusammentrat, forderte Unsere Delegation die Schaffung einer Organisation der afrikanischen Staaten unter Artikel 52 der Charta der Vereinten Nationen. Die Umsetzung dieses Vorschlags kann den Weg für ein erweitertes Ausmaß politischer Zusammenarbeit in Afrika ebnen und, wie es die Ereignisse und Umstände zulassen, ebenso einer wachsenden zukünftigen politischen Einheit. Diese Organisation sollte eine dauerhafte Struktur und ein dauerhaftes Sekretariat haben, mit spezialisierten permanenten Institutionen, die mit der fortgesetzten Untersuchung bestimmter Problemgebiete von grundlegendem Belang für Afrikaner beauftragt sind. In dieser Form würde sie als eine institutionelle Verrechnungsstelle dienen, in der Afrikaner eine große Bandbreite politischer und wirtschaftlicher Probleme betrachten könnten und im Besonderen der Förderung des Konzepts afrikanischer politischer Einheit.
Dieser Schritt würde in Unseren Augen, welche Abgründe auch immer heute in Afrika existieren, überbrücken. Diese Organisation würde es Afrikanern ermöglichen, mit einer einzelnen, gemeinsamen Stimme zu sprechen und würde auf diese Weise den Beitrag der freien Nationen dieses Kontinents zu den Lösungen der Probleme unserer Zeit maximieren. Es existiert bereits in der Konferenz der Unabhängigen Afrikanischen Staaten das Grundgerüst der Institution, die Wir uns vorstellen, obwohl sie auf loser und nicht dauerhafter Basis organisiert ist. Lasst uns diesen bereits existierenden Kern verwenden, lasst uns ihn perfektionieren und dauerhaft machen.
Äthiopien bleibt aufgeschlossen in Bezug auf die genaue Form, die die Struktur einer solchen Organisation annehmen sollte. Präzedenzfälle existieren in der Arabischen Liga, in der Organisation der Amerikanischen Staaten und in anderen regionalen Institutionen. Dennoch sind wir nicht sklavisch daran gebunden, uns an Präzedenzfälle zu halten noch blind eine bestimmte Formel zu übernehmen. Wir drängen nur darauf, und Wir vertrauen darauf, dass dieser Vorschlag die einhellige Zustimmung aller hier vertretenen Staaten erhalten wird, dass ein spezielles Komitee geschaffen wird, um spezifische Vorschläge mit Blick auf eine schnelle Gründung einer Organisation Afrikanischer Staaten auszuarbeiten. Dieses Komitee sollte seine Arbeit beenden und beim bevorstehenden Treffen der Konferenz der Unabhängigen Afrikanischen Staaten in Tunesien Bericht erstatten.
Der Kalte Krieg
Die Förderung politischer Einheit wäre also ein grundlegendes Ziel der Organisation der Afrikanischen Staaten. Wir sollten jedoch einen zweiten und gleich wichtigen Aspekt ihrer Errichtung nicht außer Acht lassen. Afrika ist mündig geworden. Mit dieser Unabhängigkeit kam nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, unsere Probleme selbst zu bewältigen. So lange wir mit unseren eigenen Problemen nicht direkt und bestimmt umgehen können oder wollen, ist der Weg offen für einseitige Einmischung in die internen Angelegenheiten dieses Kontinents durch andere Nationen, die sich weniger um Afrika als um sich selbst sorgen. In der heutigen Welt ist dies gleichbedeutend mit der Einfuhr des Kalten Krieges nach Afrika, eine Entwicklung, der sich Äthiopien unerschütterlich und hartnäckig entgegengestellt hat und eine gegen die unser gesamter vereinter Widerstand nicht zu groß sein kann. Afrika ist noch zu schwach, seine vorhandenen Ressourcen zu gering und seine Energien zu begrenzt, als dass sie oder ein Teil von ihnen in einem weltweiten Kampf vergeudet werden sollten, der afrikanischem Wachstum und afrikanischer Entwicklung nichts hinzufügen, sondern nur abträglich sein kann. Wenn wir den Spannungen des Kalten Krieges erlauben, die Spannungen von Afrika zu werden, wird wertvolle Zeit verloren und kostbare Energie verschwendet werden, alles ohne eine Erfüllung unserer feierlichsten Aufgabe, das Vorankommen der afrikanischen Völker in Freiheit und Wohlstand zu sichern. Wir Afrikaner wünschen in Frieden und Freundschaft mit allen Menschen zu leben, ohne Ansehen von Rasse, Glauben oder anderer Überzeugungen und sind bereit mit allen zu kooperieren, die ernsthaft und ehrlich unser Wohl und Vorwärtskommen wollen. Dennoch können wir uns nicht unnötig den Gefahren aussetzen, die der weltweite Machtkampf in seinem Gefolge trägt.
Die Schaffung einer Organisation Afrikanischer Staaten wird das Mittel zur Verfügung stellen, durch das innerafrikanische Konflikte – und solche werden entstehen, denn wir sind Menschen und nicht Engel – friedlich beigelegt werden können. Sie wird als der Mechanismus dienen, durch den solide und konstruktive Maßnahmen für die wachsende Zusammenarbeit unter den Nationen Afrikas erzeugt, gegliedert und implementiert werden. Sie wird zu der Schaffung und Entwicklung einer Atmosphäre und Geistes gegenseitigen Vertrauens und Zuversicht beitragen, die für das koordinierte und gleichzeitige Voranschreiten der afrikanischen Staaten auf dem Pfad zu Gleichheit und Wohlstand so wichtig ist. Sie wird als Bollwerk gegen die Einmischung eines afrikanischen Staates in die inneren Angelegenheiten eines anderen dienen und als Sicherheit gegen die Verstrickung nicht-afrikanischer Nationen in die Angelegenheiten dieses Kontinents als ganzes. Wenn unser Fortschritt schnell und effektiv sein soll, müssen wir uns von Streitigkeit, von Furcht, von dem Mistrauen, dass andere als afrikanische Hände die Ereignisse und Entwicklungen auf unserem Kontinent formen, befreien.
Durch diese selben Überlegungen getrieben, hat Äthiopien bei verschiedenen Gelegenheiten darauf gedrängt, dass die stets wachsenden Ausmaße fremder Unterstützung, die zu diesem Kontinent gelenkt werden, durch die Organisation der Vereinten Nationen kanalisiert werden. Wir haben solche konkreten Vorschläge unterstützt wie sie zu diesem Zweck vorgebracht wurden. Hilfe muss ohne Bedingungen sein. Die Einschätzung des Bedürfnisses nach Unterstützung und die Entscheidung, sie zur Verfügung zu stellen – dies sind Fragen, die von der Politik des Kalten Krieges, von den Konflikten zwischen Ost und West, losgelöst sein sollten. Es ist möglich, Positionen zu beeinflussen und zur Befolgung dieser oder jener Politik durch ökonomischen Druck zu nötigen, aber nur auf Kosten des Stolzes und der Würde derjenigen, die auf diese Weise ihr Geburtsrecht als freie Menschen aufgeben und die Kaufurkunde trägt die Warnung: nach Belieben „widerrufbar“. Wenn die großen Nationen dieser Welt, unsere Zustimmung und Unterstützung wünschen, sollten sie uns dabei helfen, ökonomisch stark und moralisch unabhängig zu werden, denn nur dann wird ein Bündnis mit ihnen bedeutungsvoll sein.
Prinzipien
Wir sollten während dieser Konferenz einige Angelegenheiten bedenken, die uns höchst umfassend und tief berühren und betreffen. Wir sind alle gleichermaßen engagiert in unserem Widerstand gegenüber dem bösartigen Prinzip rassischer Diskriminierung verkörpert in der rechtlichen und sozialen Struktur der Republik Südafrika. Wir sind alle gleichermaßen entschlossen jedwede Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, um diese Schande für die Menschlichkeit und Beleidigung für die Menschheit auszulöschen. Wir haben dies alle zu verschiedenen Gelegenheiten in der Vergangenheit bekannt gemacht. Die Zeit ist vorbei, als Verurteilung dieser Politik genug war; wir müssen nun Maßnahmen formulieren und realisieren, die unserer gemeinsamen Entschlossenheit einen konkreten Effekt verleihen.
Gleichermaßen müssen Wege und Möglichkeiten gefunden werden, den Tag zu beschleunigen, da unsere unterdrückten afrikanischen Brüder uns in diesen Hallen als freie Männer beitreten, denn solange ein Afrikaner in Unterdrückung lebt, ist niemand von uns mehr als halb frei. Die Ereignisse der letzten drei Jahre geben uns Grund zur Freude und zur Erneuerung unserer Stärke und unseres Mutes. Lasst uns die Aufgabe nicht halb erledigt liegen lassen. Kenia, Uganda, Ruanda-Urundi deren Beobachter in dieser Versammlung sitzen, werden bald bei uns sein. Last sie nicht die letzten sein, die unseren Reihen beitreten.
Im Kongo, auf den Wir uns schon bezogen haben, haben wir das traurige Spektakel gesehen, wie spezielle Interessen sich über die Entscheidungen der Vereinten Nationen hinwegsetzen und auf die Gefahr eines Bürgerkrieges hin und zu den Kosten von unschuldigen Leben und der Zerstörung wertvollen Eigentums sich vernünftigen und überlegten Anstrengungen entgegensetzen, dem kongolesischen Volk Frieden und Ordnung wiederzugeben. Fremde Söldner haben diese Interessen verstärkt und Waffen und Munition haben scheinbar durch Zauberei ihren Weg in Rebellenhände gefunden. Wir rufen zu einem Stopp dieser Aktivitäten auf; Wir bestehen darauf, dass der illegale Handel mit Munition, der eine friedliche Lösung der Situation im Kongo verzögert und behindert hat, beendet wird und dass von allen Beteiligten alle Maßnahmen zu diesem Zweck unternommen werden.
Äthiopien ist berechtigterweise stolz auf die Rolle, die wir im Kongo gespielt haben und weiterhin spielen, eine Rolle vollständig übereinstimmend mit der festen Unterstützung, die Unsere Nation ausnahmslos den internationalen Institutionen gegeben hat, die der Sache des Friedens und der kollektiven Sicherheit während der vergangenen Dekaden gewidmet sind. Sollte Uns die Geschichte beurteilen, würden Wir nur darum bitten, dass sie auf der Basis von Äthiopiens Bilanz des Widerstandes gegen Kolonialismus, Unterdrückung und Aggression beurteilt, von dem Zeitpunkt an, als äthiopische Patrioten die italienischen Invasoren 1896 bei Adua zurückschlugen und dann 1935 und danach. Wir haben auf die Anfragen der Vereinten Nationen für Hilfe im Kongo geantwortet und Wir haben die Kongo Politik der Vereinten Nationen unterstützt, da Erfahrung, Vernunft und Instinkt alle zusammenkamen, um uns jenseits jeden Zweifels zu überzeugen, dass nur auf diese Weise eine friedliche und dauerhafte Lösung für die leidigen Probleme, die dort existieren, festgelegt werden kann. Ein erfolgreicher Abschluss der Schwierigkeiten im Kongo durch die Vermittlung der Vereinten Nationen wird diese Institution unermesslich stärken und seine Nützlichkeit als eine Kraft für die Bewahrung des Friedens, die Befreiung der noch unterdrückten Völker der Welt und der Fortentwicklung der Menschheit maximieren. Heute glauben Wir, dass das Ende der Probleme des Kongos in Sicht ist. Wir heißen zu dieser Konferenz den Vertreter der Zentralkongolesischen Regierung, Herrn Cyrille Adoula, willkommen. Wir fordern, dass die Anstrengungen aller Afrikaner verdoppelt werden, damit die territoriale Integrität des Kongo erhalten bleibt und garantiert wird und dass eine moderate Führung im Kongo befähigt werde, das kongolesische Volk in Frieden und Wohlstand vorwärts zu führen.
Andere Angelegenheit
Abrüstung und das Verbot von Nukleartests verbleiben als die gesamte Menschheit betreffende Probleme, Afrika nicht ausgenommen. Die Mittel, direkt diese Ziele zu erreichen, liegen nicht in unseren Händen, aber dies verringert auf keine Weise unsere Pflicht unseren Mitmenschen und der Nachwelt gegenüber, ohne Einschränkung zu arbeiten, damit sie während unserer Lebenszeit erreicht werden. Äthiopien hat aus Prinzip, nicht Parteilichkeit ein dauerhaftes Verbot von Nuklearwaffen gefordert. Wir haben dies in der Überzeugung getan, dass heute keine Nation, wie groß oder stark, egal wie überzeugend seine Argumente, die Anwendung von Maßnahmen rechtfertigen kann, die drohen, die Schuldigen und Unschuldigen, die Jungen, die Alten und die Ungeboren gleichermaßen mit solch katastrophalen Konsequenzen heimzusuchen. In März wird das 18-Nationen Abrüstungskomitee in Genf tagen. Lasst uns unseren Einfluss geltend machen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sicherzustellen dass dieses Treffen nicht in einer Niederlagen und Frustration endet, in Desaster und Verzweiflung wie zu viele vor ihm.
Wir müssen auch auf Algerien verweisen, wo weiterhin Blut fließt, da ein paar Extremisten, ohne Rücksicht auf die Trauer und das Leid, das sie bewirken und in rücksichtloser Missachtung des Gemeinplatzes, dass Zwang und Gewalt nur Zwang und Gewalt gebären, weiterhin die entschlossenen Anstrengungen moderaterer und vernünftigerer Männer behindern, ihren Weg zur friedvollen Erlangung des wertvollen Geschenks der Freiheit für das algerische Volk zu ertasten. Unsere Beratungen hier müssen darauf gerichtet sein, den Tag zu bescheunigen, wenn Männer und Frauen in Algerien in Freiheit und Frieden wandeln können.
Schlussfolgerung
Diese wenigen letzten Jahre waren ruhmvolle für Afrika.
In einer kurzen Zeitspanne der Geschichte wurden die Sehnsüchte und Hoffnungen nahezu eines gesamten Kontinents realisiert. Feier folgte auf Feier, da sich Afrikaner ihrer neu gefundenen und hart erkämpften Freiheit erfreuten.
Nun ist diese Aufgabe nahezu abgeschlossen. Vor uns liegen die harten, schwierigen Jahre, da wir mit neuen Problemen zu kämpfen haben und neuen Mühsalen entgegensehen. Es wird kaum Festlichkeit und nur wenige Feiern in diesen Jahren geben. Unsere Aufgabe ist nun, uns selbst des Schicksals würdig zu erweisen, das wir als unser eigenes eingefordert haben, fähig unserer Talente und Ressourcen in der Sache Afrikas und der Afrikaner einzusetzen. Der Weg wird gefährlich sein, Opfer werden uns abverlangt werden, unsere Mühen werden vielleicht ungesehen bleiben und unsere Triumphe unbeachtet außer von uns selbst. Und letztendlich ist dies genau wie es sein soll, denn wir sind Männer und dies ist des Menschen Schicksal. Lasst uns zusammenarbeiten, Arm in Arm wie Brüder, auf dass unsere Nachkommen in Frieden und Wohlstand leben mögen, auf dass die Nachwelt unsere Namen und unsere Errungenschaften ehren mögen. Dies wird reichen. Dies wird unser Sieg sein. Möge der Allmächtige ihn uns gewähren.
Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 216-230.
Übersetzung: Adilisha
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