An die OAU über Rhodesien (Rede vom 07. Juli 1966)

Aus RastaWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

In Unserem Namen und dem der Regierung und des Volkes von Äthiopien möchten Wir allen Teilnehmern der Delegation, die hier sind, um an der sechsten außerordentlichen Sitzung des Ministerrats der Organisation Afrikanischer Einheit teilzunehmen, ein herzliches Willkommen in Addis Abeba anbieten. Es besteht keine Notwendigkeit für Uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie sich in einem brüderlichen Land sehr zu Hause fühlen sollten.

Sie treffen sich heute in diesem Saal, der die Organisation Afrikanischer Einheit vor nicht ganz zweieinhalb Jahren gebar, um eine Lösung für die südrhodesische Situation zu beraten und zu finden, die eine ernste Herausforderung nicht nur für die Organisation Afrikanischer Einheit, sondern auch für die Unabhängigkeit unserer einzelnen Staaten und tatsächlich für die nationalen Befreiungsbewegungen von Angola, Mosambik, Südwestafrika, Südafrika etc. darstellt.

Angesichts dessen wird unsere Hauptaufgabe sein, Wege und Mittel zu diskutieren, wie die Bestimmungen der Resolution, die durch die vor kurzem stattgefundene Accra Gipfelkonferenz der Organisation Afrikanischer Einheit verabschiedet wurde, zu implementieren sind. Wir haben bereits klar gemacht, dass Äthiopien bereit ist, jedwede Opfer, die nötig sind, auf sich zu nehmen, wenn darüber gemeinsam mit anderen afrikanischen Staaten entschieden wird.

Die einseitige Unabhängigkeitserklärung, die von einer rassistischen weißen Siedlerregierung am 11. November 1965 bekannt gegeben wurde, hat, auch wenn sie erwartet wurde, die freiheitsliebende Menschheit geschockt und erschreckt. Dass vier Millionen Afrikaner durch die illegale Machtergreifung eines abtrünnigen Premiers zur Knechtschaft verurteilt sein sollen, ist einer der verruchten Aspekte von Kolonialismus und Imperialismus. Obwohl die Situation in Südrhodesien eine Angelegenheit ernster Sorge für alle Völker geworden ist, sollten wir nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, dass die Unterdrückung und das Leiden der vier Millionen Afrikaner in Südrhodesien besonders beleidigend für die Würde Afrikas ist.

Die Regierung des Vereinigten Königreichs, die verfassungsmäßige Verantwortung trägt, die Kolonie Rhodesien zum Mehrheitsprinzip zu führen, hat es, bis auf eine Erklärung, Sanktionen anzuwenden, bisher unterlassen, die Rebellion in Rhodesien niederzuschlagen und Gesetz und Ordnung in dem zerrissenen Land wiederherzustellen.

Die kürzliche Resolution, die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet wurde und die wirtschaftliche Sanktionen gegen Rhodesien empfiehlt, sollte, auch wenn sie afrikanischen Forderungen nicht genügt, voll unterstützt und durchgesetzt werden, um die Rebellion, die eindeutig als Bedrohung internationalen Friedens und internationaler Sicherheit festgestellt wurde, niederzuschlagen. Wir hoffen, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen, die Auswirkung haben, diese illegale Regierung erkennen zu lassen, dass die Politik, die sie eingeschlagen haben, nur in die Katastrophe führen wird und sie dazu bringt, ihre unhaltbare Position zu überdenken und sich auf den Weg von Verstand und Vernunft zu begeben.


Drastische Maßnahmen erforderlich

Anknüpfend an die Resolution, die auf der noch nicht lange zurückliegenden Accra Gipfelkonferenz der Organisation Afrikanischer Einheit angenommen wurde, müssen wir unseren Appell an alle Nationen erneuern, das illegale weiße Minderheitsregime Südrhodesiens nicht anzuerkennen.

Die Konferenz sollte die Regierung des Vereinigten Königreichs noch einmal dazu aufrufen, drastische Maßnahme jenseits wirtschaftlicher Sanktionen anzuwenden, um die Rebellion zu zerschlagen.

Wie Wir bereits vorher aufgezeigt haben, ist die Hauptaufgabe dieser Konferenz, die Durchsetzung der Maßnahmen der beim Accra Gipfel angenommen Resolution bezüglich Südrhodesiens zu diskutieren. Im Versuch, diese Resolution in die Tat umzusetzen, sollten die Mitgliedsstaaten der Organisation Afrikanischer Einheit die Unterstützung befreundeter Mächte in Anspruch nehmen.

In dieser Stunde der Prüfung für den Kontinent Afrika sollten alle Afrikaner ihre unbedeutenden Differenzen fallen lassen und ihre Anstrengungen vereinen, um ihre Brüder in Zimbabwe zu retten, deren Rechte, Unabhängigkeit und Freiheit von einem rassistischen Minderheitsregime der Siedler mit Füßen getreten werden, das unrechtmäßig die Macht ergriffen hat in Missachtung der weltweiten öffentlichen Meinung und im Verstoß gegen die Grundprinzipien des Völkerrechts.

Insbesondere ist es unerlässlich, dass die nationalen Parteien Zimbabwes ihre kleinlichen Differenzen zur Seite stellen und künftig eine vereinigte Front bilden angesichts ihrer nationalen Not. Sie müssen bereit sein, bis zum Tode für die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Heimatlandes zu kämpfen.

Nun ist die Zeit für sie, sich selbst ihres Namens würdig zu erweisen – Freiheitskämpfer. Nun ist die Zeit für sie, sich selbst dem Motto eines berühmten Freiheitskämpfers zu verpflichten: „Gib mir Freiheit oder gib mir den Tod.“ Sie können auf die unerschütterliche Unterstützung eines freien Afrika zählen.

Alle Kräfte des Guten, wo immer man sie finden mag, müssen mobilisiert werden, um die weißen Rassisten in Rhodesien und im südlichen Afrika zu entwurzeln. Alle freiheitsliebenden Völker müssen zusammenarbeiten, um diesen tödlichen Krebs menschlicher Freiheit und Gleichheit zu zerstören. Immerhin steht nicht der Verlust der Freiheit für vier Millionen Afrikaner, sondern das Überleben menschlicher Freiheit zur Debatte. Die Welt sollte deshalb die Verübung eines der größten politischen Verbrechen in der menschlichen Geschichte nicht billigen.

Wir beten, dass der allmächtige Gott Ihnen bei der Erfüllung Ihrer Aufgabe Führung geben wird.



Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 280-283.

Übersetzung: Adilisha

Korrektur: Jah Roc


88x31.pngCreative Commons Lizenz: Namensnennung, Keine kommerzielle Nutzung, Keine Bearbeitung (Link)
Namensräume
Varianten
Aktionen
RastafarI Works Association e.V.