Der Rat für auswärtige Beziehungen in New York (Rede vom 17.02.1967)
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Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Vorstands, meine Damen und Herren:
Wir möchten Unsere Ausführungen vor dieser angesehenen Versammlung herausragender Führungskräfte der amerikanischen Wirtschaft und Industrie damit beginnen, dass wir Unsere tiefe Wertschätzung allen Amtsinhabern und Vorstandsmitgliedern der afrikanisch-amerikanischen Handelskammer für ihre gütige Gastfreundschaft ausdrücken und die Uns gegebene Möglichkeit, Sie alle zu treffen und mit Ihnen Unsere Gedanken und Beschäftigung mit Dingen zu teilen, die nicht weniger wichtig für das Wohlergehen der Menschen überall sind als der Friede und die Ruhe, die wir uns alle bemühen für alle Nationen, groß und klein, zu fördern.
Internationaler Friede und Sicherheit sind elementare Grundvoraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Fortschritt der Welt heute; dennoch ist auch die Umkehrung nicht weniger wahr - dass das wirtschaftliche Wohlergehen eines Volkes die Sache des internationalen Friedens voranbringt und dass der Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlstand im freien Fluss und Austausch von Wirtschaft und Kapital zwischen Nationen liegt. Im ungehinderten Fluss von Kapital zwischen Ländern liegt die Lösung für die Probleme, die durch das sich ausweitende Gefälle zwischen den wirtschaftlich fortgeschrittenen und den sich entwickelnden Nationen der Gegenwart erzeugt werden.
Deshalb bemerken wir mit Wertschätzung, dass sich die afrikanisch-amerikanische Handelskammer dazu verschrieben hat „den Handel der Vereinigten Staaten mit Afrika und Industrien und Investition der Vereinigten Staaten in Afrika zu fördern“. Solange weitsichtige Menschen wie Sie selbst in jeder Nation und Gemeinschaft die gegenseitige Abhängigkeit aller Völker im wirtschaftlichen Bereich, wie in der Tat auch in anderen Bereichen menschlichen Strebens, erkennen und solange sie begreifen, dass enormer gegenseitiger Nutzen aus kooperativen wirtschaftlichen Anstrengungen gezogen werden kann, gibt es Grund zur Hoffnung, dass die wirtschaftliche Lage der Welt sich bessern wird und zweifelsohne mit größerer Geschwindigkeit als jemals zuvor.
Seit einiger Zeit und trotz ernster Anstrengungen auf Seiten der Vereinten Nationen und bestimmter Länder, ist die weltweite Wirtschaftssituation nicht so viel versprechend wie sie sein sollte.
Auf der einen Seite hat eine kleine Gruppe wirtschaftlich und industriell hoch entwickelter Länder, besonders ihre große Nation, einen Wohlstand erreicht, der in der Geschichte der Menschheit beispiellos ist und der der jeweiligen Bevölkerung ermöglicht, einen hohen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.
Auf der anderen Seite verbleibt die große Mehrheit der Nationen heute wirtschaftlich unterentwickelt, ihre Bevölkerungen leben in Mangel und Armut als ihre normalen Lebensumstände. In einem aufgeklärten Zeitalter wie dem unsrigen, in dem die Wohltaten des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts in fast jedem Bereich des menschlichen Lebens zum Tragen gebracht werden, sorgt dieses markante Gefälle für Beklemmung und Besorgnis. Es ist eine Situation, die Leid, Bitterkeit und Feindschaft erzeugt. Es ist eine Situation, der nicht länger erlaubt werden kann und darf, fortzubestehen. In einer Zeit da Nationen sich in Übereinstimmung versammeln und die fundamentalen Rechte jeder Nation auf Freiheit und Gleichheit erklären, ist es bestürzend, dass die große Mehrheit der Weltbevölkerung im Schatten von Armut und Leid existiert, häufig in Ermangelung lebensnotwendiger Güter wie Nahrung oder Kleidung während ihre Mitmenschen in anderen Teilen der Welt ein Leben des Überflusses, Komforts und der Ruhe genießen. Kein größerer Sieg kann von den Nationen heute errungen werden als die Bezwingung der apokalyptischen Feinde, die immer noch die Menschheit reiten – Armut, Krankheit und Unwissenheit.
Zweigleisig
Ein zweigleisiges Handeln auf weltweiter Basis scheint einen realistischen Ansatz für die dringenden Probleme, die die akute Ungleichheit in der Weltwirtschaftlage aufgeworfen hat, zu bieten.
Auf der einen Seite haben die wirtschaftlich entwickelten Nationen eine Verantwortung, gegenüber anderen wie auch ihren eigenen Interessen, weniger entwickelten Ländern ihre riesigen Kapital- und Technologieressourcen in Unternehmungen zugänglich zu machen, die maximale Resultate in der kürzest möglichen Zeit erbringen.
Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, dass die sich entwickelnden Nationen ihrerseits Wege und Möglichkeiten finden, fremdes Kapital sowie technische Fähigkeiten, sowohl öffentlich wie auch privat, an sich zu binden, um ihre wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen.
Wir in Äthiopien tun unsererseits das Möglichste, um in beiden Bereichen Fortschritt zu erzielen. Während unsere Fünf-Jahres-Pläne der wirtschaftlichen Entwicklung auf Hauptindustrien sowie grundlegende Wasserkraft-, Bewässerungssysteme und unter anderem einem Netzwerk von Fernstraßen Gewicht gelegt haben, ist die gesamte Nation nun mit Selbsthilfe Unternehmungen beschäftigt, die zufrieden stellende Resultate bringen und zu den Anstrengungen der Nation hin zu wirtschaftlicher Weiterentwicklung und sozialem Fortschritt beitragen. Im Rahmen gesunder Finanzpolitik und anderer nationaler Verpflichtungen sind wir nun damit beschäftigt, jede verfügbare Ressource bei der nationalen Aufgabe wirtschaftlicher Entwicklung einzusetzen.
Auf der anderen Seite, haben wir uns um fremdes Kapital bemüht, um das Gefälle zwischen vorhandenen Ressourcen und voller wirtschaftlicher Entwicklung zu verringern. Während wir dankbar sind für die Unterstützung internationaler Organisationen und Vertretungen sowie einer Reihe befreundeter Regierungen, möchten wir gleichzeitig auf die durch die Nation unternommenen Schritte verweisen, fremdes Privatkapital an sich zu binden und zu ermutigen.
Zusätzlich zur vollen Zusicherung größter Kooperation an potentielle ausländische Privatinvestoren, hat die Regierung eine höchst liberale Gesetzgebung erlassen, die bereits einige Jahre gültig ist, um Privatkapital anzuregen. Diese Verfügung garantiert die Rechte möglicher Investoren gegen willkürliche öffentliche Enteignung und bietet schützende Zugeständnisse für alle, die an den Entwicklungsprogrammen unserer Nation teilzunehmen wünschen.
Es ist eine Tatsache, dass Äthiopien mit riesigen unberührten Ressourcen glücklich ausgestattet ist und was wir in Äthiopien suchen, ist die Nutzbarmachung und Erschließung dieser Ressourcen zum Nutzen sowohl des Investors wie der Nation. Dass eine gegenseitig vorteilhafte und glückliche Partnerschaft zwischen ausländischen Privatunternehmen und der Regierung in Äthiopien existiert, wird klar bezeugt durch die wachsende Anzahl ausländischer Firmen, die sich selbst profitabel in verschiedenen Geschäftsbereichen etabliert haben, während sie gleichzeitig bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Infrastruktur der Nation helfen. Nichtsdestotrotz wünscht sich Äthiopien mehr private Kapitalinvestitionen. Organisationen wie die Ihrige können viel tun, um diesen Bedarf zu decken, während sie gleichzeitig Nutzen für die Investoren bieten.
Hindernisse
Es ist eine Binsenweisheit, dass Selbsthilfe, harte Arbeit und Initiative für die wirtschaftliche und soziale Weiterentwicklung jeder Nation erforderlich sind. Dennoch ist es ebenso wahr, dass es immer noch überholte internationale Vereinbarungen gibt, die die Anstrengungen von Entwicklungsländern, ihr Potential zu entwickeln, ernsthaft begrenzen. So lange wie Hindernisse für den freien Fluss des internationalen Handels verbleiben, so lange wie es keinen garantierten Preis auf grundlegende Güter auf einer lukrativen Ebene ohne Diskriminierung gibt, wird die wirtschaftliche und soziale Entfaltung der sich entwickelnden Nationen ernsthaft behindert bleiben. In dieser Beziehung können die wirtschaftlich fortgeschrittenen Nationen einen wertvollen Beitrag leisten. Solche Nationen könnten z.B. die bilaterale oder multilaterale Unterstützung weiter aufstocken und blockierende Vereinbarungen wie begünstigte Zolltarife sowie andere Schutzsysteme, die sich für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt von Entwicklungsländern auf lange Sicht als schlechter Dienst erweisen, aufheben.
Die Einrichtung von UNCTAD und die Erklärung der Entwicklungsdekade der Vereinten Nationen zusätzlich zu anderen wirtschaftlichen Programmen, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurden, haben die Basis geschaffen für eine Lösung der dringenden Probleme der Weltwirtschaftslage. Da jedoch die Empfehlungen der UNCTAD und ihrer Organe bisher nicht implementiert wurden, erscheinen die Aussichten für eine schnelle Lösung dieser Probleme nicht sonderlich viel versprechend. Es ist hier, dass die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder einen maximalen Beitrag leisten können und damit helfen können, ein großes neues Zeitalter einzuläuten, ein Zeitalter „wirtschaftlicher Liberalität“.
Die Aufrechterhaltung des Status Quo wird auf lange Sicht noch nicht einmal den begrenzten Interessen der Wenigen dienen und wird sich unweigerlich als verheerend für die Weltwirtschaftslage erweisen. Es muss daher inständig gehofft werden, dass die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder sich der Herausforderung stellen und sich an einer gemeinsamen Anstrengung beteiligen werden, die wirtschaftlichen Übel der Welt, die Wurzel und Ursache vieler anderer internationaler Probleme sind, zu lindern.
Wie ich bereits vorher erwähnte, können private Organisationen wie die afrikanisch-amerikanische Handelskammer viel tun, um zu helfen, die gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Probleme zu lösen, indem sie den freien Fluss privaten Kapitals fördern. In dieser Hinsicht möchten Wir den Unternehmungen dieser Organisation, die dafür steht, dabei zu helfen, die Ideale von internationalem Frieden und Zusammenarbeit zu fördern, allen Erfolg wünschen.
Herr Vorsitzender, Wir danken Ihnen noch einmal für Ihre Gastfreundschaft und die Uns gegebene Möglichkeit, bei dieser Gelegenheit diese Gedanken mit Ihnen zu teilen.
Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 154-159.
Übersetzung: Adilisha
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