Dritte Internationale Konferenz der Äthiopischen Studien (Rede vom 3.4.1966)
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Äthiopien hat, wie es wohl bekannt ist, eine lange Tradition von aufgezeichneter Geschichte, zurückreichend bis zu den Inschriften von Aksum. Das Land war ebenfalls in seiner auf die jahrhundertealten Schulen unserer Kirche (Universitäten der Epoche) zentrierten Wissenschaft erfolgreich, was die Zeitalter hindurch der Hüter Unserer Kultur war.
Äthiopien war nicht minder glücklich, das Interesse der internationalen Welt der Wissenschaft anzuziehen, als auch das von ausländischen Gönnern in weit entfernten Ländern.
Fast vor einem halben Jahrtausend, 1513, druckte der Deutsche Joh Potken das erste Ge’ez Psalter im Vatikan, und ein paar Jahre später finden wir einen florentinischen Händler, Andrea Corsali, der über den Druck von Ge’ez Büchern für Kaiser Lebna Dengal nachsinnt.
Einige zweihundert Jahre später, in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, hielt der äthiopische Mönch Gregorius sein erstes Treffen mit dem deutschen Wissenschaftler Job Ludolf ab. Die Freundschaft zwischen diesen beiden gebildeten Männern von den beiden Enden des Christentums, Deutschland und Äthiopien, war sehr ertragreich. Ludolf, der in Europa zu Recht der „Vater der Äthiopischen Studien“ genannt wurde, fuhr damit fort, einige signifikante Werke auf dem Gebiet der Geschichte und Linguistik anzufertigen, unter ihnen seine Historia Aethiopica auf Latein, welche erstmals 1681 erschien, sein Lexikon Aethiopica-Latinum von 1681 und seine Grammatik Linguane Amharicae, die erste amharische Grammatik von 1698.
Es ist an dieser Stelle nicht nötig, die vielen Schulen von quiné und zema aufzuzählen; die Schulen des Alten und Neuen Testaments; die Schulen der Kirchenväter und Mönche; die Schulen der Geschichte, Kunst und Literatur, aber Wir würden sie nicht durchgehen, ohne die Ihnen allen wohl bekannten Namen Yared und Afeworq zu erwähnen.
Von den ausländischen Wissenschaftlern von Äthiopien möchten Wir den Engländer Bruce, den Deutschen Dillmann, den Franzosen Halevy, den Italiener Guidi und die Russen Turaiev und Kratchovsky erwähnen.
Die hohen Traditionen des Lernens, durch diese und andere lang verstorbene Wissenschaftler bestimmt, wurden durch die Äthiopisten Unserer eigenen Zeit weitergeführt, viele von ihnen sind jetzt in Unserer Hauptstadt versammelt.
In der Absicht, solche Forschungen zu fördern, haben Wir die den jährlichen Haile Sellassie I Preis für Äthiopische Studien eingeführt, welcher erstmals 1964 dem verehrten französischen Gelehrten Marcel Cohen und 1965 dem bekannten Wissenschaftler Wolf Leslau verliehen wurde.
Wir sind glücklich, dass die Dritte Internationale Konferenz Äthiopischer Studien sich in Unserer Hauptstadt treffen soll, wo das Institut Äthiopischer Studien nun drei Jahre als ein wesentlicher Bestandteil Unserer Universität gewirkt hat, Wir hoffen, das Institut sich vergrößen und einen entscheidenden Beitrag zum Wachstum der Wissenschaft in Unserem geliebten Land machen zu sehen.
Informationen zu Hiob Ludolf sind hier auf dem Blog der RWA zu finden. Interessant ist auch der Artikel zu Äthiopischen Forschungen hier im RastaWiki.
Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 622 f.
Übersetzung: Chris
Korrektur: Franzi
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