Eröffnung der 15. Pugwash Konferenz (Rede vom 29.12.1965)

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Wir und das äthiopische Volk fühlen uns geehrt in unserem Land diese höchst erlesene Versammlung herausragender Gelehrter und Wissenschaftler zu begrüßen. Dieser Anlass ist von besonderer Bedeutung für Uns, da Wir gerade diese Prinzipien respektieren und ernsthaft versuchen, sie in all Unseren Handlungen zu unterstützen, die Sie hier aus verschiedenen Nationen und von unterschiedlichen politischen Ausrichtungen zusammengebracht haben, um energisch und offen miteinander einige der Hauptprobleme unserer Zeit zu diskutieren. Wir freuen Uns wahrlich, dass die Universität und die Stiftung, die Unseren Namen tragen, in der Lage waren, die erhabene Arbeit und noblen Ideale von großen Männern voranzutreiben, deren Anstrengungen zu der Schaffung dieser außergewöhnlichen Reihe von Konferenzen zu Wissenschaft und Weltgeschehen führten. Wir müssen noch einmal Unsere tiefe Bewunderung für Lord Bertrand Russel zum Ausdruck bringen, dessen unbeugsamer Mut und tief greifende moralische und wissenschaftliche Lehren ein unauslöschliches Zeichen in der Geschichte unserer Zeit hinterlassen haben und dessen Geist die Diskussionen, die unter der Obhut dieser Konferenzen stattfinden, befeuert und belebt.

Es war natürlich unausweichlich, dass Pugwash eines Tages nach Afrika kommen sollte; noch hätte ein angemessenerer Ort für die erste dieser Konferenzen auf afrikanischem Boden gefunden werden können. Denn es war in eben diesem Raum, dass die Einheit Afrikas zum ersten Mal vor weniger als drei Jahren mit der Errichtung der Organisation Afrikanischer Einheit Form und Substanz annahm. Der Ort ist angemessen, nicht nur da dieser Raum und dieses Gebäude auf eine Art und Weise symbolisch für die gemeinsamen Hoffnungen und Bestrebungen aller freien Völker dieses Kontinents sind, sondern auch weil die fundamentalen Prinzipien, die Afrikaner befürwortet haben, indem sie sich auf diese Weise zusammengetan haben, Uns eng verbunden scheinen mit denen, die den Pugwash Konferenzen zugrunde liegen.

Diese Konferenzen entstanden aus dem Glauben, dass es bestimmte Probleme gab, denen die Welt heute gegenüber steht; Probleme solch entscheidender Bedeutung für die Menschheit, dass es ein großes Bedürfnis gab, sie frei ohne Bezug zu widerstreitenden moralischen oder politischen Ideen zu diskutieren; Probleme von tatsächlich solchem Ausmaß, solcher universeller Bedeutung, dass eine gemeinsame Grundlage der Übereinstimmung gefunden werden muss und kann und gemeinsame Vorschläge für ihre Lösung können durch den Prozess objektiver Beobachtung und Analyse, in der Wissenschaftler ausgebildet sind, entstehen.


Offenherzige Kommunikation benötigt

Afrikaner haben ebenfalls die Notwendigkeit erkannt, dass es, um ihres gemeinsamen Wohlergehens willen, Möglichkeiten für die offenherzige Kommunikation und den Ideenaustausch in einer von irrelevanten politischen Überlegungen unbeeinträchtigten Atmosphäre geben muss. Wir haben vielleicht nicht bewusst den „wissenschaftlichen“ Weg gesucht, um unsere Probleme zu bewältigen, aber wir haben die Notwendigkeit für eine objektive Herangehensweise an die Schwierigkeiten, die wir teilen, erkannt und erhalten unseren Glauben daran aufrecht.

In diesen Stunden der Krise und Spannung in der gesamten Welt, kann keine Nation, so sehr sie auch will, sich selbst von dem Eingriff politischer und nationalistischer Kräfte fernhalten. Nichtsdestotrotz bleibt es zweifelsohne klar, dass die Interessen und Anliegen, die von den Entwicklungsländern geteilt werden, ein großes Gebiet abdecken, das verlangt, erforscht zu werden, dessen Existenz jedoch noch kaum bekannt ist.

Somit ist die Thematik dieser fünfzehnten der Pugwash Konferenzen bedeutend, zeitgemäß und möglicherweise von weitreichender Bedeutung. Die Entwicklungsländer umfassen nun den größten Teil der Menschheit; deshalb ist es erforderlich, dass die Hoffnungen, Bestrebungen und Bedürfnisse ihrer Völker sorgfältig eingeschätzt und verstanden werden.

Fortschritt in dieser Welt war nur durch die beständige Anwendung des Wissens, das von Ihnen als Wissenschaftlern und Ihren Vorgängern während der Jahrhunderte angesammelt wurde, möglich. Man braucht nicht weiter zu schauen als die Wunder von Axum und Lalibela, um zu begreifen, dass dieser Kontinent, auf dem Sie nun versammelt sind, zu einer Zeit an den Vorteilen von Wissenschaft und Technologie teilhatte.

Wie auch immer, alle von Ihnen hier, ausgebildet und exzellent im Einsatz Ihres Geistes zum wahren Verständnis und zur Verbesserung der Welt, sind nun mit dem konfrontiert, was man als „Revolution der steigenden Erwartungen“ bezeichnet hat. Letztendlich ist dies eine Revolution, die friedlich nur durch eine selbstlose Zusammenarbeit zwischen Nationen bewältigt werden kann. Jedoch können wir die Bedürfnisse, Hoffnungen, Bestrebungen unserer Völker nicht endlos hinausschieben.


Wenig für Entwicklung ausgegeben

In der gesamten Welt existiert wohl eine Einsicht, dass etwas getan werden muss und auch ein Glaube, dass alles, was getan werden sollte, getan wird. Aber angesichts der enormen Ressourcen, die in Kriegen vergeudet werden oder in der Anhäufung von Vernichtungswaffen oder auch die der spannenden Eroberung des Weltraums gewidmet werden, ist der Betrag, der der Verbesserung des Lebens des Einzelnen in den Entwicklungsländern zugeteilt wurde, wahrlich gering.

Armut, Furcht, Unwissen, Krankheit sind nicht Probleme, die im Gefolge des wissenschaftlichen Fortschritts überwunden sind; sie sind Probleme, mit denen wir von Tag zu Tag kämpfen.

All diese Probleme werden sicherlich nicht durch die gegenwärtige Konferenz gelöst. Aber es ist Unsere ernsthafte Überzeugung, dass zumindest der freimütige Austausch von Ideen und Eindrücken in Bezug auf sie hier stattfinden wird.

In einer Welt, die durch die Stärke des menschlichen Verstandes stark und wohlhabend geworden ist, ist es eine weitere Herausforderung an diesen Verstand, dass die Wissenschaft beauftragt wird, das spezifische Problem der Entwicklung zu lösen; denn die gesamte Menschheit muss an dem besseren Leben teilhaben, das Fortschritt möglich gemacht hat.

Es ist diese Herausforderung, die über die Übel, die unsere Völker plagen, triumphieren muss; die die rassischen, politischen und religiösen Unterschiede zwischen ihnen mildern und verringern muss; die ihnen den Frieden, der für die bessere Welt, die Sie zu schaffen suchen, benötigt wird, bringen muss.

Es ist diese Herausforderung, die die Triebkraft und Inspiration Ihrer Beratungen hier sein muss.



Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 105-108.

Übersetzung: Adilisha

Korrektur: Jah Roc


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