Kagnew Bataillon und Kollektive Sicherheit (Rede vom 14.4.1951)
Soldaten,
Ihr seid heute an dem Punkt Äthiopien zu verlassen, für eine Reise um den halben Globus, zur Verteidigung von Freiheit und den Prinzipien, für welche aller Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtend einstehen. Wir sind, in der Gegenwart der höchsten Beamten der Nation, persönlich hierher gekommen- was euch heute eine Auszeichung ist- und von Repräsentanten anderer Nationen, teilnehmend an diesem bedeutsamen Unternehmen, um euch einen liebevollen Abschiedsgruß und eine gute Reise für eure Mission zu wünschen und um euch die Regiments-Farben zu geben. Diese Flaggen werdet ihr mit Heldenmut während des Einsatzes tragen. Wir sind sicher, ihr werdet sie zurückbringen zu Euerm Kaiser und Heerführer, welchem ihr Loyalität geschworen habt, wie in den Kampfnormen in Ehren gehalten, verherrlicht durch eure Heldentaten und Heroismus.
Ihr wurdet dazu aufgefordert, unter den Streitkräften vieler freundlicher Nationen, die sich der gleichen hohen Aufgabe verpflichteten; das Erbe eines Volkes, welches für unzählige Jahrhunderte heftig für seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpfte, zu repräsentieren. Jeder unter euch hat in den letzten Jahren Aufopferungen kennen gelernt. In den dunklen Stunden, als Wir und Unser Volk aufgefordert wurden zu kämpfen, schlugen wir nicht fehl in Unserer wilden Entschlossenheit; und heute, dank dieser Bestimmtheit, hat Äthiopien wieder ihren rechtmäßigen Platz unter den Vereinten Nationen eingenommen. Wir haben alle das Recht erhalten stolz zu sein auf dieses Erbe des Kampfes.
Wir müssen dann anerkennen, dass jede Nation die für die Verteidigung und Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit kämpft, wie wir es getan haben, das Recht hat die Ehre zu erwarten und wahrhaft die Unterstützung von allen friedliebenden Völkern.
Ihr werdet zu einem langen Kreuzzug abreisen, zur Verteidigung dieser äußersten Prinzipien, für welche wir solange kämpften- Freiheit und Respekt für die Freiheit anderer. Mit solchen Traditionen und nach solchen Opfern, wäre Äthiopien die allererste Nation, die diese imperative Dinglichkeit, des Rufes der Pflicht gegenüber einer Schwester-Nation, anerkennt.
Es ist sogar ein größerer Sinn, Soldaten, dass ihr heute das Heimatland verlasst, um an fernen Küsten zu kämpfen. Ihr kämpft nicht nur für Freiheit- wie Wir es in Äthiopien kennen- und das Recht jedes Volkes auf seine Freiheit. Ebenso repräsentiert und verteidigt ihr in den entlegenen Ecken der Welt, das heiligste Prinzip moderner internationaler Politik – das Prinzip der kollektiven Sicherheit, mit welchem der Name Äthiopiens ewig verbunden ist. Es ist nur natürlich, dass kleine Nationen, die ihre Unabhängigkeit wachsam verteidigen müssen, kollektive Sicherheit als den Eckpfeiler ihrer bloßen Existenz betrachten sollten. Die Unterstützung dieses Prinzips sollte augenblicklich, bereitwillig und absolut sein. Kein kleiner Staat, keine demokratische Nation, kein Volk, erfüllt mit Nächstenliebe gegenüber ihrer Mitmenschen, kann anderweitig handeln. Von allen Nationen dieser Welt, wurde der Name von Äthiopien am engsten mit diesem Prinzip in Verbindung gebracht. Unsere unverdrossne Verteidigung von kollektiver Sicherheit bei den Vereinten Nationen, Unser eigener Appell an diesem großen Körper, Unsere heftigen und unerschrockenen Anfechtungen während der dunkelsten Stunden die dem letzten Weltkrieg vorausgingen, der Mut von Unseren Patrioten, die niemals endenden Opfer von Unseren Familien, haben Äthiopien einen unvergänglichen Platz in der Geschichte dieser Prinzipien in modernen Zeiten eingeräumt.
Zögert nicht
Dies ist warum Wir, als souveränes Haupt von Äthiopien und Oberbefehlshaber der äthiopischen Streitkräfte, nicht unmittelbar zögen auf den Appell für kollektive Unterstützung- begonnen durch die Vereinten Nationen, dem Angriff auf Korea folgend- zu antworten. Von Anbeginn war es ersichtlich, dass viel Zeit, Anstrengung und Ausgaben, für die Beteiligung an den verbundenen Kräften der Vereinten Nationen in Korea, gefordert werden würden. Diese unausweichlichen Probleme voraussehend, zögerte Äthiopien nicht, sofortige Hilfe anzubieten, bevor noch Unsere militärischen Kräfte in den Kampf eingebracht wurden. Deshalb versprachen Wir nicht nur militärische Unterstützung, sondern ebenso Gelder an die Vereinten Nationen zu übermitteln, um in dem kollektivem Bemühen zu helfen.
So ist es, dass ihr jetzt ausrückt, um eueren geehrten Platz einzunehmen, neben den tapferen Soldaten von anderen Vereinten Nationen; die der Vereinten Staaten, Britannien, Frankreich, die Niederlanden, Belgien, Griechenland, Türkei und andern.
In diesem stolzen Moment der Beteiligung an der ersten und weltweiten Anstrengung für die Verteidigung des Prinzips der kollektiven Sicherheit, können Äthiopien und Wir selbst mit Stolz auf den erreichten Fortschritt zurückblicken, Fortschritt zu welchem Äthiopien in den letzten Jahren so stark beitrug. Eben diesen Monat, vor genau fünfzehn Jahren, richteten Wir, Euer Kaiser und Oberbefehlshaber vom Schlachtfeld einen Aufruf zur Achtung und Anwendung des Prinzips der kollektiven Sicherheit an den Völkerbund. Damals wie heute war es keine Frage, selbst auf die Anwendung von Maßnahmen der militärischen Sanktion zu hoffen. So neu war dieses Prinzip damals, dass Äthiopien nur auf die grundlegendsten wirtschaftlichen Sanktionen hoffen konnte, um den Angriff einzuschränken und auf zwingende Maßnahmen, um den Einsatz von Erstickungsgas zu beenden. Jedoch war es auch im selben Monat, heute vor fünfzehn Jahren, dass der Rat des Völkerbunds schließlich seine Unfähigkeit, diese essentiellen Anforderungen der kollektiven Sicherheit zu erfüllen, darlegte. Unverdrossen dieses Versagens, setzte Äthiopien unter Unserer Führung und mit dem Mut ihrer Patrioten den Kampf bis zum dem glorreichen Tag fort, als Wir, an der Spitze Unserer Truppen und mit der Hilfe von Helden des Britischen Reiches wieder in unsere Hauptstadt eintraten.
Korea erhält
Heute ist es nicht länger eine Frage, um schlichte ökonomische Sanktionen zu bitten. Korea bittet die Vereinten Nationen und erhält von ihnen kollektive Sicherheit in Form von militärischer Hilfe.
Indem Wir Uns heute in dieses Maß kollektiver Sicherheit einreihen, sind Wir Uns selbst und der Pflicht treu, welche Wir als höchste und feierliche Aufgabe nicht nur dieser Stunde, sondern des gegenwärtigen Jahrhunderts verstehen. Kollektive Sicherheit kennt keine Schranken oder Entfernungen. Durch die Teilnahme an dem Maß kollektiver Sicherheit in Fernost erfüllen Wir nur Unsere Pflicht gegenüber den Vereinten Nationen. Genau wie kürzlich, durch das Senden finanzieller Hilfe, haben Wir Unsere Sympathie gegenüber den tapferen Menschen von China bekundet, die so schmerzlich durch Naturkatastrophen geprüft wurden, so bedauern Wir heute die neue Not, welche Leiden über diese Menschen als Resultat der Ereignisse in Fernost brachte. Lasst uns hoffen, dass Frieden und Ruhe dort bald wiederhergestellt werden.
Ihr wart insofern glücklich, Soldaten, dass jeder von euch ausgewählt wurde, auf diese Weise vor der Welt die Flamme der Freiheit und der Hingabe zur Sache der internationalen Gerechtigkeit zu bezeugen, die in der Brust Unserer Patrioten loderte.
Ihr folgt den Fußstapfen der langen Linie eurer Vorfahren, indem ihr vor der Welt das Recht jeder Nation verkündet, bestimmt durch ihre eigenen Bemühungen ihre Unabhängigkeit und Freiheit zu sichern, als kollektive Sicherheit Hilfe aller friedliebender Nationen zu empfangen. Äthiopien kann heute nicht weniger tun und noch immer treu zu ihren Traditionen und den Opfern stehen, welche wir alle durchlebt haben.
Soldaten, der Geist eurer Vorfahren, Helden des tausend Jahre langen Kampfes um die Verteidigung Unserer Freiheit, wird euch folgen und eure Hände und Herzen in der Hitze des Gefechts stärken.
Denkt daran, dass ihr eine Schuld der Ehre für euer Heimatland zahlt, welches nicht nur Dank des Blutes ihrer Patrioten befreit wurde, sondern auch des Blutes treuer Verbündeter, ebenso Mitglieder der Vereinten Nationen. Denkt auch daran, dass ihr durch das Bezahlen dieser Schuld einen Grundstein legt für ein universelles System kollektiver Sicherheit im Interesse eures Heimatlandes, wie auch der Nationen der Welt, ob groß oder klein, mächtig oder schwach.
Möge Gott euch beschützen, euch Mut geben, euch als Helden zu beweisen und euch sicher zurück in euer geliebtes Heimatland bringen.
Informationen zum Kagnew Bataillon sind hier auf dem Blog der RWA zu finden.
Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 593 ff.
Übersetzung: Dawidh, Yohannes, Franzi
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