Lidj Iyassu
Lidj Iyassu war der Neffe Meneliks II. und Sohn Negus Mikaels von Wollo. Von 1913-1916 war er Kaiser Äthiopiens.
Machtergreifung
Mitte 1908 erkrankte Menelik und war in Folge dessen nicht mehr in der Lage, die Staatsgeschfte regulär zu führen. Die Reformproesse im Land verlangsamten sich und Kaiserin Taitu baute stetig ihre Position aus, indem sie Ehebindung zwischen ihren Verwandten, Anhängern und einflussreichen Vertretern anderer Familien in die Wege leitete. Tatsächlich stieg sie kurzzeitig zu einer mächtigen Herrscherin auf, allerdings beschloss Menelik 1909, nach seinem Tod den Thron seinem damal elfjhrigen Enkel Lidj Iyssu zu übertragen. Bis zu dessen Volljährigkeit wurde der Herrführer zu dessen Vorstand bestimmt.
Herrschaft
1913 trat Iyassu die Nachfolge Meneliks an und löste damit ein politisches Chaos aus. Dieser nämlich verwarf die christliche Religion zu Gunsten des Islams, lehnte die Abstammung von König Salomo und Königin Saba ab und schwor, Nachkomme des Propheten Mohammeds zu sein. Durch seine polygame Lebensweise richteten sich bald Kirche und Würdenträger gegen ihn.
1916 brach eine gewaltsame Rebellion gegen Iyassu aus und Masqal 1916 wurde der Kaiser abgesetzt. Daraufhin marschierte Iyassus Vater Negus Mikael von Wollo mit einem Heer von 80.000 Mann gegen Addis Abeba. Die schoaner stellten ihm in Tora Masha am 17. Oktober 1916 120.000 Mann entgegen. Im blutigen, abschließenden Kampf in Sagale wurde Negus Mikael geschlagen und gefangen genommen.
Am 27. September 1916 verkündeten die im Palast versammelten mächtigsten Adelsherren die Absetzung Lidj Iyassus. Am 9. Oktober schließlich erreichte die in Marsch gesetzte Truppe Harar und nahm Iyassu dort gefangen.
Der Metropolit (Oberbischof) Matthäos sprach noch am 28. September des gleichen Jahres den Kirchenbann gege Iyassu und all seine Anhänger aus.
Quellen
- Heyer, Friedrich, Kefelew Zelleke: Das orthodoxe Äthiopien und Eritrea in jüngster Geschichte, Aachen und Heidelberg 2001.
| Vorgänger Menelik II. |
Kaiser Äthiopiens 1913-1916 |
Nachfolger Zauditu |
