Theodoros II.
Theodor II. wurde etwa 1818 bis 1820 in Scherhié, Provinz Quara geboren und starb am 13. April 1868. Er war zunächst Gouverneur von Qwara und dann Kaiser Äthiopiens im Zeitraum vom 11. Februar 1855 bis 13. April 1868.
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Person
Theodoros war in den kirchlichen Wissenschaften gebildet. Mit der Wahl des Namens Tewodros knüpfte er an die Weissagung einer durch einen Kaiser Theodor heraufzuführenden messianischen Heilszeit an (Buch Fikkare Iyessus: Jesus werde Zeit der Rechtlosigkeit durch einen König Tewodros beenden). Daraus resultierte die Vorstellung einer Heilsmission und das Bewusstsein der Gottgewähltheit beim Kaiser.
Machtergreifung
Sein Aufstieg zum Thron gelang nur durch die Zusammenarbeit mit der Kirche, indem er 1855 den ägyptischen Abuma Salama davon abbrachte, den Fürsten von Tigre zum Kaiser zu salben. Er versprach ihm dafür die Austreibung aller katholischen Missionare.
Herrschaft
Unvorsichtige Säkularisierungsmaßnahmen und Aktionen gegen alteingefleischte Feudalstrukturen brachten ihm eine große Opposition ein. Durch seinen Rigorismus verschlechterte sich die Lage des Landes.
Nachdem ein Brief an die Königin Victoria von England mit dem Wunsch um diplomatischen Kontakt unbeantwortet blieb, sperrte Theodoros den englischen Konsul Cameron und andere englische Staatsangehörige ein. Alle Versuche, den Konflikt durch eine bedingungslose Freilassung der Gefangenen beizukommen, schlugen fehl. So unternahmen 1867 anglo-indische Truppen unter General Robert Napier eine Befreiungsexpedition gegen Theodoros. Am Ostermontag 1868 gelang es Napier, die Bergfestung zu erobern, doch Theodoros weigerte sich, sich zu ergeben. Er beendete vielmehr am Ostermontag, dem 13. April 1868 durch eine Pistolenkugel sein Leben. Die Briten aber jagten alle übrigen Befestigungen und Hütten auf Maqdala nebst der Medhane-Alem-Kirche in die Luft und plünderten hunderte von Pergamentbüchern aus der Schatzkammer Theodoros.
Die Kaiserkrone Theodoros wurde 1925 der damaligen Kaiserin Zewditu im Beisein ihres designierten Thronfolges Ras Tafari in Addis Abeba zurückgegeben.
Bestrebungen
- Schaffung einer staatlichen Einheit, um persönliche Rivalitäten zu überwinden
- Sklavenhandel verbieten
- Streben nach moderner Technik
- Schaffung einer Landreform: Enteignung von Großgrundbesitzern
- Reduktion von Priestern und Kirchenbediensteten
- Vertreibung der Moslems, die sich nicht zum Christentum bekehren ließen
- Abschaffung von Polygamie
- Reformierung von Rechtssprechung, Verwaltung und Landwirtschaft
Errungenschaften
- Beenden der Naturalienleistungen der Ortsbewohner für umherziehende Krieger
- Einführung regulärer, berechenbarer Steuern
- Enteignung eines relativ kleinen Teils der kirchlichen Ländereien für säkulare Zwecke
- Ausweisung katholischer Missionare
- Einführen von Gewerben und Künsten Europas
- Die rivalisierenden Landesfürsten waren von den Einigungsversuchen des Kaisers verschont geblieben; unberührt ihre egoistischen Ziele, die die Einheit nicht zuließen
- Theodoros reformerische Ansätze werden aufgrund seiner ungeduldigen und harten Vorgehensweise im Keim erstickt
Quellen
- Heyer, Friedrich, Kefelew Zelleke: Das orthodoxe Äthiopien und Eritrea in jüngster Geschichte, Aachen und Heidelberg 2001.
Links
| Vorgänger Sahle Dengel |
Kaiser Äthiopiens 1855-1868 |
Nachfolger Tekle Giyorgis II. |
