Toast auf den jemenitischen Präsidenten (Rede vom 27. Juni 1969)
Im Namen der Regierung und des Volkes von Äthiopien und in Unserem eigenen möchten Wir Unserer Freude Ausdruck verleihen, Präsident Abdul Rahman Al-Eryani, den Präsidenten des Bürgerrats der Arabischen Republik Jemen und sein Gefolge, die Äthiopien zum ersten Mal besuchen, willkommen zu heißen.
Viel Zeit ist vergangen, seit das Volk von Äthiopien zum ersten Mal die Bevölkerung Jemens beherbergte. Die Geschichte erinnert daran, dass als die Führer von Koreish bei ihrem Treffen in Dar Al-Nadwa beschlossen, eine Vernichtungskampagne gegen die Anhänger des Propheten Mohammad zu eröffnen, der Prophet seinem Volk riet „nach Äthiopien zu fliehen, dem Land des Friedens, wo ihr sowohl eure Seelen als auch eure Religion retten könnt.“ Schreiber der islamischen Geschichte erinnern sich in ihren Chroniken an die gütige Gastfreundschaft, die den Menschen der arabischen Peninsula, die das Rote Meer nach Äthiopien hin überquerten, um Zuflucht vor religiöser Verfolgung in ihrem Vaterland zu suchen, zuteil wurde.
Bei der Aufrechterhaltung des Friedens ist überall in der Welt gute Nachbarschaftlichkeit zwischen Staaten eine Grundvorrausetzung. Dieses Verständnis hat in den Beziehungen zwischen Jemen und Äthiopien Ausdruck gefunden und nicht nur bewahren Unsere beiden Länder ihre historischen Beziehungen der Freundschaft, sondern sie bemühen sich auch, diese Freundschaft durch Kooperation in Handel und Gewerbe bedeutsamer zu machen. Um diese Beziehungen zu stärken und zu fördern, haben Wir bereits Unsere jeweiligen diplomatischen Vertretungen von der Gesandtschaft zur Botschaftsebene angehoben. Wir erinnern Uns auch, dass letztes Jahr eine vom Wirtschaftsminister Eurer Exzellenz angeführte Handelsdelegation Äthiopien besuchte und ein Handelsabkommen unterzeichnete. Wir hoffen, dass als Ergebnis des gegenwärtigen Besuches Eurer Exzellenz Fortschritt bei der Implementierung jenes Abkommens erzielt wird. Wir hoffen auch, dass wir während Ihres Aufenthaltes hier die Möglichkeit haben werden, Angelegenheiten zu besprechen, die unsere beiden Völker enger zusammenbringen werden und eine Angelegenheit gegenseitigen Interesses, nämlich die Aufrechterhaltung des Friedens in allen Regionen der Welt.
Friede ist die Angelegenheit der gesamten Menschheit und es wird für große und kleine Nationen obligatorisch, zu Lösungen zu Problemen, die die internationale Sicherheit gefährden, beizutragen.
Heute kann man es nicht unterlassen, die Existenz bestimmter internationaler Probleme, die weiterhin die Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt gefährden, anzuerkennen. Das Problem des Nahen Ostens hat sich in den letzten einundzwanzig Jahren allen Anstrengungen, es für eine Lösung empfänglich zu machen, entzogen. Der Krieg, der im Juni 1967 ausbrach, brachte wieder einmal die Unsicherheit der Situation in jenem Teil der Welt ans Licht und diese Erkenntnis veranlasste den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Resolution vom 22. November 1967 in einem weiteren Versuch, die Krise dauerhaft zu entschärfen, zu verabschieden. Es ist im Interesse aller Nationen die von den Vereinten Nationen angenommenen Resolutionen zu respektieren und zu implementieren – daher Unser Beharren darauf, dass die am Nahost Konflikt beteiligten Parteien ihre Schwierigkeiten durch die Anerkennung besagter Resolution des Sicherheitsrats lösen.
Weltfriede
Der Krieg in Vietnam ist ein anderes Problem, das die Menschen der Welt tief bewegt. Der langwierige Konflikt in jenem Land hat auf beiden Seiten unermessliches Leid verursacht. Dass so viele Leben und materielle Ressourcen, die zum Fortschritt des Wohlergehens der Menschheit hätten genutzt werden können, auf die Führung eines zerstörerischen Krieges aufgewandt werden, betrübt Uns sehr. Wir fühlen uns jedoch ermutigt, dass die Friedensverhandlungen, die unter den beteiligten Parteien in Paris durchgeführt werden, sich als erfolgreich erweisen könnten, so dass eine akzeptable Friedensformel gefunden werden kann, um den Krieg zu beenden und somit die Gefahr einer globalen Eskalation des Konfliktes zu beseitigen und die Errichtung des Friedens in jenem Teil der Welt sicherzustellen.
Der Konflikt in Nigeria, geführt unter Brüdern, ist tatsächlich ein trauriges Kapitel in der Geschichte unseres Kontinents. Da der Bruderkrieg selbst, als auch in seinen Auswirkungen auf unschuldige Zivilisten solche bedauerliche Ausmaße angenommen hat, müssen wir Unsere Anstrengungen intensivieren, um diesen Konflikt zu einem Ende zu bringen. Dieses afrikanische Problem ist für die Organisation Afrikanischer Einheit Anlass zu großer Sorge. Der Konsultationsausschuss der Staatsoberhäupter zu Nigeria wurde von der OAU mit dem Ziel geschaffen, eine Lösung für dieses tragische Problem zu finden. Der Ausschuss hat bisher viele Anstrengungen in dieser Hinsicht unternommen und wird dies weiterhin in Erfüllung seines Mandats tun.
Es ist sehr befriedigend, zu sehen, dass die meisten Völker Afrikas Freiheit und Unabhängigkeit genießen. Es ist auch sehr ermutigend, dass Afrikaner in unterjochten Gebieten, ihren unerbittlichen Kampf für ihre Rechte und Würde intensivieren. Die Allianz unter Kolonisatoren im südlichen Teil Afrikas wird gefestigt, um sicherzustellen, dass Afrikaner ihres Rechts, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, beraubt bleiben. Die Organisation Afrikanischer Einheit greift auf die Kooperation ihrer Mitgliedsstaaten zurück, um den Völkern Zimbabwes, Angolas, Mosambiks, Namibias, des so genannten Portugiesisch-Guineas, Südafrikas und anderer Kolonien zu helfen, ihre Freiheit zu erlangen. Äthiopien wird seine Unterstützung für den Kampf für menschliche Gleichheit und Freiheit fortsetzen.
Die Arabische Republik Jemen und Äthiopien sind durch Geschichte und Geographie verbundene Nachbarn und Wir hoffen, dass dieses Band der Freundschaft weiter gestärkt wird, da Wir engere Beziehungen durch Kooperation in wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten erzielen. Wir wünschen auch Unserem Glauben Ausdruck zu verleihen, dass die Anwesenheit Eurer Exzellenz unter den Menschen von Äthiopien zu einem besseren gegenseitigen Verständnis, so grundlegend für die Förderung eines echten Klimas des Vertrauens, beitragen wird.
Eure Exzellenz, verehrte Gäste,
mit großer Freude erheben Wir Unser Glas zu einem Toast auf äthiopisch-jemenitische Beziehungen, auf die Gesundheit von Präsident Al-Eryani, auf das Wohlergehen und Gedeihen des Volkes der Arabischen Republik Jemen und auf internationalen Frieden und Sicherheit.
Quelle: Haile Selassie I: Important Utterances of H.I.M. Emperor Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1972, S. 578-581.
Übersetzung: Adilisha
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