UN Komitee zur Unabhängigkeit für Kolonialländer (Rede vom 7. Juli 1966)
In Unserem Namen, dem Namen Unserer Regierung und des äthiopischen Volkes sind Wir froh wieder einmal mehr angesehene Mitglieder des Sonderkomitees zur Situation in Bezug auf die Implementierung der Erklärung zur Gewährung der Unabhängigkeit für Kolonialländer und -völker willkommen zu heißen.
Die Bedeutung dieses Komitees kann nicht zu stark betont werden. Sein innewohnender Wert liegt in seinem Versuch, die Erreichung eines der grundlegenden Menschenrechte durch die UN zu fördern, nämlich Völker und Länder, die immer noch unter dem kolonialen Joch stehen, zu Freiheit und Unabhängigkeit zu führen. Wir sind uns alle der Tatsache bewusst, dass der Kampf für Freiheit im Sieg enden muss und immer dort enden wird. Da Freiheit das Ziel dieses Komitees ist, soll sie erreicht werden. Es ist keine Frage, ob Freiheit erreicht werden soll, sondern eher, wie sie am besten erreicht werden sollte. Somit wird zum Hauptanliegen dieses Komitees, so gut wie möglich, Wege und Mittel vorzuschlagen, dieses Ziel zu erreichen.
In seiner Wahl der Mittel begegnet das Komitee ganz erheblichen Problemen. Wir sind Uns bewusst, dass entgegengesetzte Kräfte am Werk sind: auf der einen Seite die Kräfte, die unermüdlich nach Freiheit suchen, auf der anderen Seite, die Kräfte der Unterdrückung, die versuchen, Freiheit zurückzuhalten. Ein typisches Beispiel solch eines Konflikts ist die ungesetzliche Regierung in Südrhodesien. Abgesehen von solchen Vertretern der Ungerechtigkeit wie Südafrika und Portugal, haben alle freiheitsliebenden Staaten diese rassistische und Minderheitenregierung verurteilt. Wir vertrauen darauf, dass das Mehrheitsprinzip in Zimbabwe übernehmen wird. Aber wie und wann? Hier muss sich das Komitee einbringen und Mittel vorschlagen. Da die Maßnahmen, die versucht wurden, um die illegale Regierung niederzuzwingen, ineffektiv zu sein scheinen, muss dieses Komitee andere Methoden betrachten, Methoden, die wir vielleicht gemeinsam anwenden können. Egal wie schwierig die Wahl sein mag, Wir sind zuversichtlich, dass die Mitglieder dieses Komitees die ihm anvertraute hehre Aufgabe erfüllen wird.
Wir wissen, dass so lange, wie es Menschen gibt, die glauben, dass eine Rasse der anderen überlegen ist und dass sie die Schicksale anderer Menschen durch jedwede Mittel lenken können, es keinen Frieden geben wird. So lange, wie es grundlosen Irredentismus gibt und Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, wird es immer noch keinen Frieden geben. Nur durch Einhaltung der Prinzipien, die in den Chartas der Vereinten Nationen und der Organisation Afrikanischer Einheit niedergelegt sind, können wir unsere Ziele erreichen und wird unsere Einheit stärker werden. Von Unserer Seite versichern Wir Ihnen, dass Wir in Unserem Bemühen, unsere Brüder, die sich immer noch unter dem Joch des Kolonialismus befinden, zu befreien, nie ermüden werden.
Wir sind Uns bewusst, dass die Aufgabe, die Ihnen obliegt, nicht einfach ist und beten, dass Gott Sie während Ihrer Beratungen leiten wird.
Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 283-284.
Übersetzung: Adilisha
![]() | Creative Commons Lizenz: Namensnennung, Keine kommerzielle Nutzung, Keine Bearbeitung (Link) |

