Vereinte Nationen und der Völkerbund (Rede vom 01.06.1954)

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Es ist ein bedeutsamer Moment für mich, wenn ich mich nach achtzehn Jahren in einem Zentrum befinde, wo sich die leidenschaftlichen Hoffnungen der tausenden von millionen Menschen konzentrieren, die sich verzweifelt nach der Zusicherung von Frieden sehnen.

Die Jahre dieser Zeitspanne, düster wie sie waren und heilig wie sie im Gedächtnis von Millionen von unschuldigen Opfern bleiben, halten für uns strahlende Hoffnung auf die Zukunft bereit. Der Völkerbund versagte und ging hauptsächlich wegen seiner Unfähigkeit, Aggression gegen mein Land zu verhindern, nieder. Aber weder die Schwere dieses Fehlers, noch die dazwischenkommenden Katastrophen konnten die Erkenntnis der Notwendigkeit und die Suche des Friedens durch kollektive Sicherheit dämpfen. So ist es, dass wir uns hier in den Vereinten Nationen erneut den hohen und tatsächlich essentiellen Idealen verschrieben haben, essentiell sofern die Welt auf dem Pfad des Friedens fortfährt.

Äthiopien für seinen Teil ist tief überzeugt von dem Triumph dieser Ideen, wobei sie, in ihrem Fall, die nur letzten beiden Jahrzehnte völlig rechtfertigten. Der Völkerbund mag versagt haben, aber Äthiopien erreichte die Befreiung und erblickte schließlich durch die Vereinten Nationen die Berichtigung von siebzig Jahren Ungerechtigkeit und das Eintreten von den richtigen Brüdern, um wieder vereint zu werden. Außerdem wurde das Gedächtnis des Scheiterns zwei Jahrzehnte zuvor durch Maßnahmen der kollektiven Sicherheit von den ruhmreichen Erfolgen der kollektiven Verteidigung Koreas, zu welchen Äthiopien ebenso beitrug, ausgelöscht. Gewiss haben wir Grund, von dem Fortschritt der Menschheit ermutigt zu sein.

Es muss jegliche Enttäuschung der Stunde abgelegt werden, damit nicht unsere Vision des Ziels getrübt wird, welches wir erreichen und mit Vertrauen, geboren durch die vergangene Erfahrung, im Triumph der Prinzipien vorwärts drängen können, welche hier präsentiert wurden und für welche Sie, Herr Generalsekretär, so eifrig und intelligent arbeiten.

Seit der Akzeptanz der Pflichten der Vereinten Nationen meines Landes als ein Gründungsmitglied habe ich dem Tag, an dem es mir möglich war, den Hauptsitz der Organisation zu besuchen, freudig entgegengesehen. Die physische Verwirklichung der Hoffnungen und Erwartungen derjenigen von uns, die die Prinzipien der kollektiven Sicherheit und die praktischen Instrumente, internationale Gerechtigkeit zu sichern und zu erhalten, leidenschaftlich unterstützten, durch dieses großartige Gebäude haben meine Erwartungen übertroffen.

Ich habe es genossen, unseren begabten Generalsekretärs und Mitglieder seines Stabes zu treffen, aber ich bin mir nicht weniger des wichtigen und gewissenhaften Dienstes bewusst, die der Organisation durch die Pressetruppen erbracht werden. Sie sind buchstäblich die Augen und Ohren der Vereinten Nationen und es ist durch euch, dass die Welt folgen und die Verwirklichung ihres Vertrauens in die Vereinten Nationen beurteilen kann.

Ich war der Presse für ihr Bewusstsein für die Wichtigkeit des Grundsatzes der kollektiven Sicherheit und für meine Anstrengungen, dieses Prinzip durch wirkungsvolle Maßnahmen zu errichten, immer dankbar. Ich bin überzeugt, dass ihr im Rahmen der euch zugeschriebenen Aufgabe der objektiven Berichterstattung die Errungenschaft der Organisation niemals scheitern werdet, das geduldige Vertrauen aller Menschen zu reflektieren, dass nur durch Diskussion, Zusammenarbeit, Übereinstimmung und Durchsetzung des Willens der Menschheit Weltfrieden und Stabilität erreicht werden kann.


Quelle: Haile Selassie I: Selected Speeches of His Imperial Majesty Haile Selassie I, Imperial Ethiopian Ministry of Information (Hg.), Addis Abeba 1967, S. 355 ff.

Übersetzung: Chris

Korrektur: -

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