Yohannes IV.
Yohannes ist 1831 geboren und am 10. März 1889 in Metemma, Sudan verstorben. Er war Fürst von Tigray und von 1872–1889 Kaiser Äthiopiens.
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Machtergreifung
Nach Theodoros Tod ließ aufgrund seiner Feinde in Begemdir, Tigre und Schoa keine friedliche und nahtlose Thronfolge zu: Sowohl Kassa aus Tigre, als auch Menelik aus Schoa meldeten Anspruch auf den Thron. Menelik, Enkel Sahle Selassies, wurde von Italien aus mit Waffen beliefert und ernannte sich voreilig zum Nigusse-Negest Äthiopiens, bevor die Machtverhältnisse mit Yohannes geklärt waren. Letzerem gelang es schließlich jedoch, diplomatische und militärische Macht über das ganze Land zu erringen. Er schaltete seine Gegner mit modernen Waffen aus; Kriegsmaterial, das ihm Sir Napier für die im Kampf gegen Theodoros geleistete Hilfsdienste überlassen hatte. Es kam am 4. März 1878 zu einem Abkommen zwischem ihm und Menelik:
- Yohannes ist der einzige rechtmäßige Kaiser Äthiopiens
- Menelik erhält den Titel König von Schoa
- die jeweiligen Hoheitsgebiete werden durch Grenzmarkierungen geregelt
- bei Gefahr leistet Menelik dem Kaiser Beistand und setzt sich
- konsequent für die Rechristianisierung der Bevölkerung von Wollo ein, wie auch für die Errichtung von Kirchen
Zusätzlich vollzog Menelik am 20. März 1878 den symbolischen Akt der Unterwerfung, indem er den sogenannten Bußstein vor den Kaiser schleppte und sich vor ihm niederwarf. Am 21. Januar 1872 wurde Kassa in Tigre unter dem Namen Johannes IV. von Abuma Athamasios aus Kairo in der Tsion-Kathedrale von Aksum zum Kaiser gesalbt. Und am 26. März 1878 krönte Yohannes Menelik zum König von Schoa. Zudem wurde die neue freundschaftliche Beziehung durch eine dynastische Eheanbahnung zwischen Yohannes Sohn Araya und Meneliks Tochter Zewditu besiegelt.
Herrschaft
Yohannes Islamfeindschaft brachte den Gebietsherrscher von Wollo Mohammed Ali dazu, sich taufen zu lassen. Es sollte fortan unter dem christlichen Namen Ras Mikael herrschen. Viele Islamanhänger wanderten allerdings ins Gebiet der Gurage und Arsi aus.
"Kaiser Yohannes stellte seine Hingabe an den orthodoxen Glauben mit der Kreuzzugsgesinnung unter Beweis, mit der er den vom ägyptischen Khediven Ismail vorangetriebenen muslimischen Eroberungsversuch, das italienisch-katholische koliniale Vordringen und die fanatisierten Scharen des Mahdi abwehrte (Heyer, Friedrich, Kefelew Zelleke: Das orthodoxe Äthiopien und Eritrea in jüngster Geschichte, Aachen und Heidelberg 2001, S. 18 - 19.).
Yohannes wurde 1889 bei der Schlacht gegen die Derwische im Nordosten des Anglo-Ägyptischen Sudans in Metemma von einer feindlichen Kugel getötet.
Bestrebungen
- Staatliche Einheit Äthiopiens durch Berufung auf die Grundlage des christlichen Glaubens
Errungenschaften
- Innenpolitik: sichere und friedliche Periode Ätiopiens im Inneren
- Aufrechterhaltung der von seinem Amtsvorgänger Theodoros geerbten Einheit des Staates
- Offizielles Beenden des dreihundertjährigen Streits zwischen den christologischen Schulen Äthiopiens im Mai 1878 (Gegenstand des Streits war die Deutung der Salbung Christi, Erläuterungen finden sich Ebd., S. 22 - 24.)
- Aussöhnungspolitik gegenüber den verfeindeten Provinzfürsten des Landes
Quellen
- Heyer, Friedrich, Kefelew Zelleke: Das orthodoxe Äthiopien und Eritrea in jüngster Geschichte, Aachen und Heidelberg 2001.
| Vorgänger Tekle Giyorgis II. |
Kaiser Äthiopiens 1871-1889 |
Nachfolger Menelik II. |
